Spannungen

Spannungen zwischen Menschen, Spannungen zwischen Kooperationspartnern. Materielle Sicherheit begünstigt das Lernen und Üben freier Kooperation.

Spannungen haben zu Unrecht einen viel zu schlechten Ruf; sie sind der Zustand, in dem Lernen stattfindet, in dem Neues entsteht; wir sind gespannt …

Hier der Vortrag auf dem BIEN-Kongress in Ottobrunn http://www.youtube.com/watch?v=lZuijtY7T9k

Am 8. Sept. 2012 in meinem Blog ein ausführlicherer Text,
bzw. hier:  http://www.bien2012.de/sites/default/files/paper_201_de.pdf
Dies ist eine Vorversion. Ein überarbeiteter Text wird folgen.

Abstract für einen Beitrag auf dem BIEN-Kongress 14/15/16 September in Ottobrunn bei München:

Beziehungen zwischen Menschen sind grundsätzlich konflikthaft. Dies zeigt Jean-Paul Sartre. Der Blick des Anderen lässt den Erblickten zum Objekt erstarren. „Fremder Freiheit ausgeliefert“, erfahren wir unsere fundamentale Entfremdung durch den Anderen. Der Andere sieht mich, wie ich mich nie sehen werde, er „besitzt das Geheimnis meines Seins“. Aber es ist möglich, zurück zu blicken, und es ist möglich, sich als Objekt für Andere zu entfalten, inmitten der Freiheit der Anderen ein interessantes, ja glückliches Leben zu führen. Sogar Lust an der Entfremdung (Entfremdung in der von Sartre geprägten Bedeutung) ist möglich. Dafür, dass Beziehungen produktiv und beglückend werden können, ist entscheidend, dass Menschen es riskieren können, aus sich herauszugehen, sich zu blamieren, enttäuscht oder abgelehnt zu werden und aus diesen Erfahrungen zu lernen. Ebenso aus dem Scheitern von Kooperationen.

Bedroht von Armut sind Menschen zur Kooperation genötigt. Ablehnungen können sie sich nicht leisten. Das Machtgefälle wirkt einschüchternd und verhindert bewegende und Selbsterkenntnis vermittelnde Lernerfahrungen. Kooperationslernen beschränkt sich hier auf Drill, auf das Lernen, Befehle und Weisungen zu befolgen oder Kundenwünsche zu befriedigen. Not macht nicht erfinderisch.

Christoph Spehr zeigt, dass „freie Kooperation“ dann möglich ist, wenn die an der Kooperation Beteiligten es sich gleichermaßen leisten können, die Kooperation auch zu verlassen. Nur in einer Rahmenbedingung frei von Existenzangst kann „freies Kooperations-Lernen“ stattfinden, nur dann können Konflikte produktiv wirken. Die Lust und Neugier, aufeinander einzugehen, die Risikobereitschaft hinsichtlich Selbsterkenntnis, die Entfaltung von Empathie und der gekonnte Umgang mit Konflikten erfordern materielle soziale Sicherheit für alle, z. B. die Sicherheit eines bedingungslosen Grundeinkommens. Die Menschen können dann „Horizontalspannungen“ zwischen Menschen (in Anlehnung an Sloterdijks „Vertikalspannungen“) als stimulierend erleben und müssen sie nicht als Bedrohung abwehren.

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